Umgang mit Wut und Ärger II


Wut und Ärger haben mich diese Woche viel begleitet. Nicht falsch verstehen, ich bin nicht durch die Gegend gelaufen und habe nach diesen Emotionen gesucht! Ich habe sie auch nicht ununterbrochen gefühlt! Aber Wut und Ärger sind genau betrachtet überaus spannend. Natürlich können wir diese Grundemotionen als negativ und als unangebracht bewerten. Dann sehen wir, wie zerstörerisch dieses Gefühl sein kann, wie es aber auch unangenehme, ja gar peinliche Wirbelstürme auslöst, für die wir uns dann im Nachhinein sogar schämen. Wut bringt viel Bewegung. Das ist insofern gut, dass wir ins Tun kommen. Wie oft dachtest du schon in einer Situation, in der du vor Wut dermaßen gekocht hast, "So! Jetzt reicht's mir! Keine Lust mehr auf diesen ganzen Mist!" Und was ist dann passiert? Der Ball kam ins Rollen. Du hast deinen Ärger samt seiner gewaltigen Energie in Tatendrang gesteckt und somit vielleicht sogar deine Probleme gelöst. Lebst nun viel gelassener und kannst mit einem dicken Grinsen an diese Situation zurückdenken, bist vielleicht sogar dankbar dafür, dass dich etwas so sehr gereizt hat und nun alles viel besser ist. Halten wir also fest: Wut und Ärger sind ganz schön mächtig und bipolar.


Betrachten wir einmal eines der englischen Worte für Ärger "anger", so steckt anger in danger (engl. "Gefahr"). Gefahr vor was und für wen eigentlich? Für wen ist ziemlich einfach beantwortet: Für die Mitmenschen, Lebewesen, Gegenstände in Griffweite - das gesamte Umfeld eben. Aber auch für sich selbst, denken wir einmal an diejenigen, die sich vor Wut und Ärger nicht im Griff haben und gegen eine Wand boxen, sich also selbst verletzen. Denken wir ebenfalls an diejenigen, die ihren Ärger runterschlucken und der dicke, fette Klos immer größer und größer wird, bis er ein hässliches Geschwür in unserer Magengegend wird. Hierfür dürfte dann derjenige sogar dankbar sein! Der Körper macht ihn darauf aufmerksam, dass etwas nicht stimmt! Anders geht es denjenigen, die ihre Wut dermaßen nach innen kehren, dass sie in eine Depression fallen. Auf all diese Punkte möchte ich aber gar nicht so sehr eingehen. Hierzu gibt es gewiss unendlich viele Studien und Artikel, die ihr euch gerne näher ansehen könnt.

Schauen wir uns nun den Punkt "Gefahr vor was" einmal näher an. Wut und Ärger warnt uns also. So weit, so gut. Ganz trocken betrachtet, entsteht Wut, wenn etwas oder jemand zu weit geht. Die Kapazitäten der Toleranz sind vollständig und endgültig aufgebraucht. Der rote Alarmknopf kommt zum Einsatz. Danger Zone! Doch was steckt dahinter? Wir reagieren wütend und verärgert, vielleicht sogar aggressiv, weil wir uns vor anderen, uns unbekannten oder noch unangenehmeren Gefühlen schützen wollen. Die eigene Unsicherheit zum Beispiel. Hier möchte ich wieder anknüpfen an den ersten Beitrag zu Wut und Ärger I. Dort steht: "Stoppe dich und frage dich selbst, wieso du dem Anderen so viel Macht über dich gibst." Hier kommen Klienten erfahrungsgemäß oftmals zu der Erkenntnis, dass sie sich in den Situationen, in denen Wut und Ärger ihre Hauptemotionen sind, zuerst unsicher fühlten. Oder nicht wertgeschätzt und damit enttäuscht und traurig. Nun können wir das Spiel drehen und wenden wie wir wollen und wir werden immer zu der Erkenntnis kommen, dass weitere Emotionen an unserer Wut und unserem Ärger beteiligt sind. Um es aber auf den Punkt zu bringen, möchte ich eine ganz einfache Antwort für euch hier festhalten. Dem einen wird es gefallen, dem anderen weniger. (Da fällt mir direkt das Thema Schattenarbeit ein!) Hinter den Emotionen Wut und Ärger steckt ganz einfach Angst. Angst davor, es jemandem nicht recht zu machen. Angst davor, zu versagen und nicht gut genug zu sein. Angst davor, alleine zu sein oder jemanden zu verlieren. Angst davor, sich selbst nicht behaupten zu können, nicht gesehen zu werden. Angst davor, verletzt zu werden. Die Liste ist unendlich. Im nächsten Beitrag werde ich euch einen Einblick in die Symbolik der Wut, der Aggression und der Angst geben. Seid gespannt!

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