Dein mentales Immunsystem - Selbstwert IV

Selbstvertrauen hat viel mit Mut, Chancen ergreifen, Courage zeigen, Zu-sich-selbst-Stehen und Sich-Trauen zu tun, wohingegen das Selbstbewusstsein sich darum bemüht, Bewusstheit, Achtsamkeit, Verständnis und Erlösung ins eigene Leben zu integrieren.


In diesem Beitrag möchte ich Dir die letzte Säule vorstellen: Selbstliebe.


Eigentlich möchte ich behaupten, dass Selbstliebe jedem einzelnen Menschen fehlt (es gibt Ausnahmen, aber die finden wir eher selten in der westlichen Welt). Denn würde sich jeder zu 100% selbst lieben, akzeptieren und wertschätzen, gäbe es keinen Neid, keinen Hochmut, keinen Geiz, keine Wollust, keinen Zorn, keine Völlerei und keine Trägheit.


Doch ich hoffe jeden Tag, dass wir alle in diese Mitte kommen :). Aber realistisch gesehen, ist Selbstliebe eine Lebensaufgabe für jeden einzelnen von uns. Einer ist schon längst dort, der andere stolpert noch ein wenig, der nächste ist weit davon entfernt. Wie sollte es auch anderes sein in einer Welt voller Gegensätze?


Nun gut. Selbstliebe. Was bist Du und wieso?


Der Psychoanalytiker Erich Fromm schrieb in seinem Aufsatz „Selbstliebe und Selbstsucht“: „Selbstsucht und Selbstliebe sind weit davon entfernt identisch zu sein; in Wirklichkeit sind sie Gegensätze.“ Selbstsucht sei „eine Art Gier“ und wurzle in „einem Mangel an Liebe zu sich selbst“. Echte Selbstliebe jedoch sei wie eine „innere Sicherheit, die es nur aufgrund echter Liebe und Bejahung gibt“.


Huiuiui. Einleuchtend? Ich denke, schon. Verstehen, ja, das geht. Aber noch immer bin ich weit davon entfernt tatsächlich zu begreifen, was denn nun "echte Liebe" und "Bejahung" ist. Aber es klingt auf jeden Fall erstrebenswert oder was meinst Du?


Hier ein paar hilfreiche Inspirationen, um der Selbstliebe zumindest ein Stück weit näher zu kommen.


Sei gut zu Dir!

Verwechsle diesen ersten Punkt nicht mit "Tu Dir was Gutes!", denn nur, weil Du Dir ein Pistazien-Eis in Italien gönnst, liebst Du Dich womöglich noch nicht mehr :). Gut zu sich selbst zu sein meint, dass Du das tust, was Deinem Körper und Deiner Seele wirklich gut tut: Gesünder essen, für Ausgleich in Form von Bewegung sorgen und auf Seelenbilder-Reisen gehen, z. B. über Meditationen. Anfangs ist das vielleicht noch anstrengend, aber langfristig gesehen ist es das Beste, was Du Dir gönnen kannst. Beherzige dabei immer die für mich absolut wichtigste Aussage: Sei dabei nicht zu streng mit Dir selbst! Wir sind alle zum Glück keine Heiligen :)!


Erforsche Deine Gedanken!

Nur, weil Du etwas denkst, bedeutet es nicht, dass es auch wirklich so ist. Vor allem die dunkle Seite der Gedankenmacht zieht uns schnell in die Ohnmacht. Oft glauben wir unseren Gedanken bereitwillig, anstatt innezuhalten und uns zu fragen: Moment mal, würde Buddha (oder eine andere weise Person) in dieser Situation genauso denken und handeln!? Nein! Warum nicht?! Nun, weil Du als Du Dinge ganz anders bewertest. Hier wäre es also angebracht, achtsamer durch Dein Leben zu laufen. Analysiere die Auslöser Deiner Gedanken und welche Konsequenzen sie mit sich bringen. Entdecke den darin enthaltenen Glaubenssatz ("Ich bin nicht gut genug." "Keiner mag mich." "Das schaffe ich doch niemals." "Ich bin es nicht wert." ...). Und versuche dann eine alternative positive Bewertung (oder auch einfach mal gar keine?) hinein zu interpretieren. Unser Verstand liebt Interpretationen. Stoppe ihn, indem Du achtsamer bist und Du ihn kontrollierst!


Vergib Dir!

Oftmals tragen wir so viel Schuld mit uns herum, dass der Körper anfängt zu schmerzen vor lauter Last. So wie Du lernen darfst, anderen nichts nachzutragen und Dich von dieser Last zu befreien, solltest Du auch Dir selbst vergeben. Die andere Person, der du etwas nachträgst, bekommt es gar nicht mit. Nur Du bist derjenige, der leidet und schleppt. Lasse los und vergib auch Dir mögliche Fehltritte. Du bist keine Maschine und sollst auch keine sein.


Sei realistisch!

Wie sagte so schön eine Freundin von mir: "Unser aller Glas ist nicht voll. Der eine sieht es als halbleer. Der andere als halbvoll. Das bleibt jedem selbst überlassen. Ich bevorzuge halbvoll." Ganz genau. Wir können gar nicht vollkommen sein. Daher sind wir hier, um unsere Lektionen zu lernen und die spiralförmige Treppe weiter nach oben zu steigen. Es bleibt allerdings Dir überlassen, Dich mit negativen Gefühlen zu versorgen oder doch lieber mit positiven. Es wird immer Menschen um Dich herum geben, denen es besser geht als Dir - materiell, beruflich, persönlich, ganz egal. Aber auch viele mehr, denen es schlechter geht. Hör auf, Dich zu vergleichen und fang an, Dich mit all den Ecken und Kanten, sonnigen sowie schattigen Anteilen zu akzeptieren und klasse zu finden. Nichts ist so wie es scheint und selbst das Offensichtlichste ist noch selektive Wahrnehmung.


Mache Dich unabhängig vom Urteil anderer!

Zum Thema Be- und Verurteilen habe ich in Part I dieser Serie bereits ausführlich geschrieben. Daher nur ganz kurz in einem Zitat von Dita von Teese zusammengefasst: „Du kannst der reifste, saftigste Pfirsich auf der Welt sein, aber es wird immer jemanden geben, der keine Pfirsiche mag.“ So.


Lass Dich begeistern!

Leider verlieren wir als sogenannte Erwachsene schnell die Begeisterung und Neugier - vor allem für Neues. Versuche dennoch, das Leben wieder durch Kinderaugen zu sehen. Auch hierzu ein kleiner Denkanstoß: Was hast Du als Kind geliebt und getan und wieso tust Du es heute nicht mehr? Baue dafür Dein Selbstvertrauen weiter aus und trau Dich, mutig zu sein und Dinge ins Rollen zu bringen. Dinge, die Dich begeistern! Just Do It!


Stehe für Dich ein!

Das ist mein Favorit. Wie oft neigen wir dazu, den Kopf hängen zu lassen, wenn wir uns unfair behandelt fühlen. Ganz egal, ob dahinter eine Ohnmacht, Schüchternheit oder sonst was steckt. Natürlich ist es einfacher, Konflikten aus dem Weg zu gehen und den Frust zu schlucken. Doch an dieser Stelle möchte ich Dich auf meine Reihe zu Wut und Ärger verweisen und nur kurz wiederholen: Bitte nicht den Frust herunterschlucken! Der führt im schlimmsten Fall zu einem dicken Knüppel irgendwo in der Magengegend oder sonst wo. Nicht gut! Fakt ist, fast nichts tötet unsere Selbstliebe mehr als anderen zu erlauben, auf uns herumzutrampeln - ganz egal, ob Partner, Chef, Freunde, Familie! Dabei hätten wir doch nichts zu verlieren, wenn wir den Kopf, unsere Weltkugel, oben behielten und uns für uns selbst stark machten! Ich wette, Deine Rückenschmerzen würden dann auch weniger oft vor der Tür stehen, denn Du würdest Rückgrat zeigen.


Zum Abschluss noch ein Zitat von Charlie Chaplin:

„Wir brauchen uns nicht weiter

vor Auseinandersetzungen,

Konflikten und Problemen

mit uns selbst und anderen fürchten,

denn sogar Sterne knallen

manchmal aufeinander

und es entstehen neue Welten.

Heute weiß ich: Das ist das Leben!“